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40 Jahre Mädchen und Frauen im CVJM-Westbund

 

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 Margreth Zeise
Margreth Zeise
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Mädchen, Monster, Mondlandungen…

Gedanken zu einem runden Geburtstag

Was haben der Pritt-Stift, die ZDF-Hitparade, Woodstock und einige Menschen aus meinem Freundeskreis gemeinsam? Richtig: 2009 wurden oder werden sie noch 40 Jahre alt!

Und noch ein 40. Geburtstag fällt ins Jahr 2009: 1969 wurde die Mädchen- und Frauenarbeit offiziell in den CVJM-Westbund aufgenommen.
„Echt? Schon so lange her?“ fragen die einen. „Was? Erst so spät?“ staunen andere ungläubig. Manche haben noch die Jahre miterlebt, als es eine separate Mädchenarbeit gab, haben mit verhandelt und gerungen, geworben und schließlich gefeiert, als es endlich soweit war und man mit dem traditionellen Jungmännerwerk „gemeinsame Sache machte“. Viele haben es vielleicht wie eine Hochzeit nach langer Verlobung empfunden, andere hatten das Gefühl, hier haben zwei lang getrennte Geschwister endlich zusammengefunden – so oder so, ein bisschen fremd und ungewohnt war es für einige noch lange. Und an den gemeinsamen Familiennamen wollten sich manche nur schwer gewöhnen: „Christlicher Verein junger Menschen“ – das muss man erstmal einüben und mit Leben füllen. Übrigens: wenn man sich spaßeshalber mal die Nummer-1-Hits in den Musik-Charts des Jahres 1969 ansieht, ergeben sie den perfekten Soundtrack zu den Ereignissen im CVJM in besagtem Jahr: von „In the Ghetto“ (Elvis Presley) zur fröhlichen Einladung der Beatles „Come together!“, was schließlich von den Edwin Hawkins Singers bejubelt wurde mit „Oh Happy Day!“…

Der Mond und die Mädchen

Noch ein Jubiläum: die Mondlandung vor 40 Jahren. „Ein kleiner Schritt für mich, aber ein großer Sprung für die Menschheit!“ sagte Neil Armstrong damals. Wenn man sich die CVJM-Landschaft heute ansieht, kann man kaum glauben, was für ein großer Schritt das damals war, wie viel Kraft und Anstrengung er manche unserer Schwestern zu jener Zeit gekostet hat – und auch viele Brüder, und sei es, weil es für sie bedeutete, ordentlich über ihren eigenen Schatten zu springen.

Wie exotisch schien es damals, als im Kreis der Bundessekretäre plötzlich die erste Kollegin mit in der Runde saß – ein Riesenschritt. Heute ist das ganz normal, und längst nicht mehr sind die Frauen nur für die Mädchenarbeit zuständig. Wer hätte damals gedacht, dass es heute z.B. eine Bundessekretärin in der Sportarbeit gibt? Und wer weiß, vielleicht sogar irgendwann mal eine Bundesposaunenwartin? :-)

Ganz selbstverständlich gibt es heute in vielen CVJM eine Vorsitzende, der Westbund wird zurzeit ehrenamtlich und hauptamtlich jeweils von einer Frau geleitet – aber eben doch nicht so selbstverständlich, wie es heute scheint. Viele Schritte waren nötig auf dem Weg dorthin, und tatsächlich wurde erst 1994 die Mädchenarbeit offiziell vollständig in die Arbeit des Westbundes integriert (indem sie z.B. keinen eigenständigen Vorstand mehr hatte, sondern einen Fachausschuss wie alle anderen Arbeitsbereiche auch). Aber das mit der Mondlandung hat ja auch geklappt, und beides ist heute gar nicht mehr wegzudenken.

Mädchen sind anders – und Jungs auch!

Ebenfalls vor 40 Jahren: die erste Herztransplantation in der Bundesrepublik. Auch die ist heute nicht mehr wegzudenken und gehört inzwischen zum Alltag, ist „normal“ – und trotzdem (oder gerade deswegen) darf man nicht einfach sagen „läuft ja…“, sondern muss immer wieder genau hingucken, aufmerksam bleiben, Dinge verändern und anpassen.

Mädchen und Frauen gehören inzwischen im CVJM dazu, sind total integriert, das ist „normal“ – und trotzdem (oder gerade deswegen) ist es wichtig, aufmerksam zu bleiben und immer wieder genau hinzugucken, damit sie sich nicht vor lauter Integration und Routine im großen Ganzen auflösen. Wie „ticken“ Mädchen? Was brauchen sie? Wie können wir so von Jesus erzählen, dass es für die Mädchen einladend ist? Wo können sie ihre besonderen Fragen fragen und wie können wir ihre Stärken stärken?

Und das Gleiche gilt natürlich genauso für die Jungen: auch sie brauchen ihre Räume, ihre Zeiten, ihre Sprache. Nur so können beide dann auch ein gutes Miteinader lernen, einander achten, sich gegenseitig bereichern, voneinander lernen – weil sie wissen, wie und wer sie selber sind.

„Früher war alles später…“, oder: Bleibt alles anders!

Manches hat sich wirklich verändert in den 40 Jahren, und da sind die Teenies keine Ausnahme. Ein ganz einfaches Beispiel: Früher war alles später. Der erste Freund, der erste Kuss, das „erste Mal“ – das fand früher alles erst später statt als heutzutage. Das Leben ist einfach schneller geworden. Die Vierzehnjährigen, die wir jetzt in unseren Gruppen haben, sind anders als die in den 70’ern. Das merkt man spätestens dann, wenn man noch mal eine Arbeitshilfe mit Stundenentwürfen von damals hervorholt: das geht so nicht mehr, das passt einfach nicht. Obwohl die großen Themen ja immer noch die gleichen sind – wer sich heute eine BRAVO am Kiosk kauft und sie mit einer Ausgabe von vor 20, 30 oder 40 Jahren vergleicht, findet die gleichen Themenkreise: Musik, Liebe, Mode – und trotzdem liegen Welten dazwischen. Mädchen treten heute selbstbewusster auf, ziehen sich frecher an, haben beruflich mehr Auswahl – und sind total unsicher. Sie können echte Monster sein und brauchen Menschen, die sie lieben. Sie suchen ihren Weg zwischen 1.000 Möglichkeiten und brauchen jemanden, der ein Stück mit ihnen geht. Sie kriegen von allen Seiten gesagt, wie sie als Mädchen zu sein haben, und brauchen Frauen, die ihre Fragen aushalten. Und: sie brauchen einen CVJM, der Veränderung aushält.

„Wo wir sind, ist nicht mehr auf der Karte drauf!“

Es war auf einer Mädchenfreizeit, unser Kutter hatte in einer großen Stadt in Dänemark angehalten: Landgang. Ich hatte jeder Kleingruppe, die loszog, einen Stadtplan mitgegeben, unsere Anlegestelle markiert, den Weg in die Stadt eingezeichnet, meine Telefonnummer aufgeschrieben. Die verabredete Rückkehrzeit war schon vorbei, da klingelte mein Handy: „Tanya, wir haben uns verlaufen!“ – „Okay, ganz ruhig. Ist da jemand, den ihr nach dem Weg fragen könnt?“ – „Ja, aber der nette Däne sagt, wo wir sind, ist nicht mehr auf der Karte drauf…“.
Da war wohl die Entdeckerfreude mit den Mädels durchgegangen...

Als vor vielen Jahren das Experiment „Mädchen in den CVJM“ gestartet wurde, gab es dafür keine Landkarte, keine Bedienungsanleitung. Es war learning by doing. Losgehen und Erfahrungen machen. Gemeinsam Wege entdecken und Schneisen schlagen. Und wir sind heute dankbar für die, die sich damals mutig auf den Weg gemacht haben – und vielleicht manches Mal feststellen mussten: wo wir gerade sind, ist auf keiner Karte mehr drauf. Wir sind dankbar für die Christels, Heidis und Brunhildes der ersten Stunde, für die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen, die das „Gelände“ CVJM für uns erschlossen und begehbar gemacht haben. Für die Mitarbeiter, die Brüder, die Kollegen, die mutig und herzlich die Türen aufgemacht haben. Wir sind dankbar, dass an so vielen Stellen die Mädchen und Frauen ganz selbstverständlich dazu gehören.

Und zum Geburtstag darf man ja auch Wünsche äußern. Also ein paar Wünsche für die nächsten Jahre:
Wir wünschen der Mädchenarbeit junge Mitarbeiterinnen, die frisch und unbefangen „ihr Ding machen“ und CVJM-Arbeit mit ihrer ganz eigenen Art gestalten und prägen. Wir wünschen den CVJM-Vereinen vor Ort, dass sie genau hinschauen, was die Mädchen und Jungen jeweils brauchen – und wenn keine Kapazitäten für eigene Gruppen vorhanden sind, dann kann man durchaus auch bei gemischten Angeboten Zeiten und Räume schaffen, dass jede(r) zum Zug kommt.
Und wir wünschen uns, dass der christliche Verein junger Menschen widerspiegelt, dass Gott den Menschen zu seinem Bild geschaffen hat – als Mann und Frau, Jungen und Mädchen.

Tanya Worth