Sie sind hier:

„Vom Containerschiff zum Lotsenboot“

„Vom Containerschiff zum Lotsenboot“

25.02.2015 22:26 von Günter Lücking in Region OWL/Münsterland/Bentheim (Kommentare: 0)

Vorständetagung des CVJM in Hille-Oberlübbe – Veränderungen ermöglichen, von Bernd Höner


„WEITER GEHEN – mich und den CVM weiter entwickeln“ war das einleitende Impulsreferat von Dr. Florian Karcher überschrieben. Karcher, der erst in Bochum und dann sechs Jahre lang als hauptamtlicher Mitarbeiter im CVJM Gütersloh tätig war, arbeitet heute als Dozent für Sozial- und Religionspädagogik am CVJM-Kolleg in Kassel. Karcher arbeitete mit einem pointierten Vergleich: CVJM-Vereine kämen ihm häufig vor wie Container-Schiffe, die nur sehr schwer zu steuern seien und einem einmal gesetzten Kurs folgten. Seine Vision eines zukunftsfähigen CVJM gleiche dagegen einem Lotsenboot, wendig, beweglich – und doch kraftvoll genug, andere mitzuziehen.
„Die Stärke des CVJM ist seine Tradition. Die Schwäche des CVJM ist seine Tradition“, spitzte Karcher seine Wahrnehmung des CVJM zu. Es gebe aber einen gesellschaftlichen Wandel, der passiere und der nicht zu verhindern sei: Die Auswirkung der neuen sozialen Medien wie Facebook auf kommunikative Prozesse, die Veränderung der Schule hin zum Ganztagsbetrieb, die Urbanisierung und die wachsende Multikulturalität. Gleichzeitig zeige die vor einigen Jahren durchgeführte Sinus-Milieustudie, dass der CVJM – wie auch die Kirche – vor allem Menschen in konservativen und traditionellen Milieus sowie die bürgerliche Mitte erreiche – gerade diese Milieus aber seien die, die schrumpften. 
Karcher vermied es, genau anzugeben, wohin die Änderungen gehen müssten. Er plädierte aber für eine Kultur des Wandels, eine Bereitschaft zu Veränderungen auch um den Preis, damit bestimmte Menschen zu verlieren. Man müsse Prioritäten setzten, klare Entscheidungen treffen, aber auch bereit sein, bestimmte Dinge zu lassen, um Energie für Neues zu haben. Netzwerke und Partnerschaften zwischen Vereinen könnte solche Verän-derungsprozesse stützen. Als Beispiel für einen mutigen, aber zukunftsfähigen Veränderungsprozess nannte Karcher den CVJM Bonn, der ein Haus in Innenstadtlage aufgegeben habe, da dort keine Kinder mehr wohnten. Stattdessen habe er jetzt ein Haus in Stadtrand-lage in der Nähe eines sozialen Brennpunktes erworben, um näher an den Kindern und Jugendlichen zu sein.
Die CVJM-Vorstände rief Karcher auf, Jugendlichen und jungen Leuten Freiräume zu lassen. „Nicht alles muss durch den Vorstand“, meinte er und betonte: „Die jungen Leute sind Change-Experten!“
In Arbeitsgruppen diskutierten die CVJMer die Thesen Karchers und fragten nach ihren Entwicklungsmöglichkeiten vor Ort. Außerdem besuchte eine Arbeitsgruppe den „Sinnenpark“ in Hille. In einem Gottesdienst am Samstagabend wurden neue Vorstandsmitglieder begrüßt und gesegnet. Hö

Zurück

Einen Kommentar schreiben