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Berichte über den KIE Ungarn

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Berichte über die Arbeit des KIE Ungarn

Liebe Freunde!

Auf das Jahr 2012 zurückdenkend möchten wir Euch mit dem Jahreslosung von 2012 begrüssen:

„Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.” (2Kor 12,9)

Wir möchten Euch einen kleinen Einblick in das Jahr 2012 gewähren, der uns sehr viel Veränderungen gebracht hatte.

Im Frühjahr bei der Delegiertenversammlung wurde ein fast komplett neuer Nationalvorstand gewählt, auch die vorherige Vorstandsmitglieder sind jetzt mit einer neuen Funktion tätig.

Wir mussten auch unseren Namen und Tätigkeitsform den neuen gesetzlichen Regelungen anpassen. Unser alt-neuer Name heißt (wieder): CVJM Nationalverband. Die personale Veränderungen sind Folgende. György Lupták hat sich entschieden, sich nicht mehr als Präsident zur Verfügung zu stehen, so wurde auf seine Stelle István Szikora gewählt. Tamás Marton hat – auf eigenen Wunsch, aus familiären Gründen – zu einer 50%-Tätigkeit gewechselt, und leitet so unser Freizeitheim Sóvár. Als KIE-Sekretärin wurde Szikora Mihályné (Marcsi) berufen. István und Marcsi sind auch im Ortsverein Békéscsaba verantwortliche Leiter.

Für uns ist eine große Freude, dass in zwei Schulen, wo wir 2011 KIE-Vorstellungsprogramme gehalten haben, KIE-Gruppen gebildet wurden, die auch um Mitgliedschaft beworben haben. Diese zwei Orte sind Szentes und Hódmezővásárhely. Auch eine „alte“ KIE-Gruppe in Létavértes hat sich erneut gemeldet und wir sind mit ihnen wieder in Kontakt.

Seit Mai ist Éva Magassy im europäischen Vorstand als Beisitzer tätig.

Auch auf diesem Wege möchten wir uns für all die Unterstützung bedanken, die wir für unsere Arbeit bekommen haben.

Internationale Verbindungen

In März 2012 hatten wir wieder die Gelegenheit unsere ausländischen Partner in Sóvár zu treffen. Wir haben an mehreren internationalen Programmen teilgenommen:

  • CVJM Internationale Konferenz in Dassel
  • YE Generalversammlung in Litomysl,
  • Europäische NGS-Konferenz in Brüssel

Die Tappancs-Leute haben mit einem Minibus an der bündische Mitarbeiterschulung in Katzenellnbogen, auf der CVJM-Freizeitheim Lindenmühle an der Karwoche teilgenommen.

Réka Soproni ist Mitglied in ESG ExCom.

Mit einer kleinen Tappancs-Gruppe sowie „vorsitzendlichen Repräsentanz“ waren wir in Österreich bei der Feier des 100-Jahre Bestehen des Wiener CVJM-Hauses dabei. Unser Einlader und zugleich Patron der Veranstaltung war Dieter Reizner.

November nahm Éva Magassy an dem VfE-Seminar in Görlitz teil.

Wir haben die Weltbund-Gebetswoche mit einem „Stillen Wochenende“ (16-18. November) in Balatongyörökön abgeschlossen.

„Ausstellen – ja; verkaufen – nein“, war der Tipp der Galeristin in Budapest, als sie mit Mitarbeitern des KIE über die geplante Fotoausstellung „Idők és Helyek“ (Zeiten und Orte) beriet. Ihre Erfahrung aus 14 Jahren wechselnder Programme in der Galerie im Süden von Buda: Mehr als zwei Bilder aus einer Ausstellung wurden hier noch nicht verkauft. Also schraubten die Freunde vom ungarischen CVJM ihre Erwartungen (und Preise) herunter und versprachen sich von der Vernissage eher solche Vorteile, die sich nicht kurzfristig in Geldbeträgen messen lassen. Es wurde eine Party mit internationalen Gästen, Sekt, Kuchen und klassischer Musik.

Eine irische Unternehmerin sponserte das Ereignis großzügig und lud auch ihre amerikanischen und deutschen Freunde zur Eröffnung ein. Eine ungarische CVJMerin, die beruflich Schulungen für europäische Speditionsfachleute durchführt, brachte ihre niederländischen Lehrgangsteilnehmer (und einen selbstgebackenen Kuchen) mit. Ein Musikerehepaar spielte „deutsche“ Musik von Bach, Schumann und Mendelssohn, aber auch einen irischen Tanz zu Ehren der Schirmherrin. Tamás Marton, leidenschaftlicher Fotograf, ehemaliger Nationalsekretär und jetzt Leiter des CVJM-Zentrums in Balatongyörök am Plattensee, hielt die fachkundige Eröffnungsrede und lud zu Käufen und Spenden ein.

Im CVJM-Westbund war Walter Linkmann für einige Zeit Mitglied im Arbeitskreis Ungarn. Bei Delegationsreisen und Partnergruppentreffen hatte er oft Gelegenheit, „Bitte“ und vor allem „Danke“ auf Ungarisch zu sagen. Aber eine komplette Dankesrede am Mikrofon war eine wirkliche Herausforderung, auch wenn ein Budapester Freund vorher alles aufgeschrieben hatte: „Manchmal war ich nicht hundertprozentig sicher, was ich gerade sage; aber auf jeden Fall haben die Leute an den richtigen Stellen gelacht.“

„Idők és Helyek“, das bedeutet einerseits Begegnungen im CVJM, die er in den vergangenen Monaten fotografiert hat. Aber auch Stadtbilder aus Berlin und Budapest, irische Regenlandschaften und unauffällige Szenen am Straßenrand. Ein kleines Team hat per Internet-Voting 36 Bilder ausgewählt, die jetzt noch bis Mai in der Galerie zu sehen sind. Und an zehn von ihnen hing am Ende des Eröffnungsabends der Hinweis, dass sie verkauft sind. Aber der eigentliche Gewinn ist, dass der KIE sehen konnte, dass er in Budapest und darüber hinaus Freunde hat, mit denen er rechnen kann – und die gerne mit ihm feiern.

In diesem März haben sich Mitglieder und Mitarbeitende des ungarischen KIE (CVM) zur diesjährigen Jahreshauptversammlung in ihrem Freizeitzentrum „Sóvár“ in Balatongyörök, am Plattensee, getroffen. Im Rahmen dieser Zusammenkunft hat es einen Wechsel in der Leitung des Nationalverbandes gegeben. Nach vielen Jahren im Amt hat Györy Lupták (links), lutherischer Pfarrer aus Kiskörös, den Vorsitz an István Szikora (rechts), den Vorsitzenden des KIE in Békéscsaba abgegeben. Der KIE-Sekretär Támas Marton, arbeitet jetzt mit einer halben Stelle als Verwalter des Freizeitheims „Sóvár“ und Marcsi Szikora, auch aus Békéscsaba, ist jetzt seine Nachfolgerin als KIE-Sekretärin.

Während meines Besuches in Ungarn habe ich die Gelegenheit, auch CVJM-Initiativen vor Ort zu besuchen. Auf der Fahrt vom Freizeitheim „Sóvár“ nach Szombathely machen wir einen Zwischenstop in Boba. Hier in der lutherischen Gemeinde, zu der drei Dörfer gehören, hat sich vor einiger Zeit ein Y’s Men’s Club gegründet. Sein Ziel ist es, Jugendarbeit in der Gemeinde zu etablieren. So gibt es seit einem Jahr eine Gruppe mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Es gibt die Perspektive, dass daraus eine KIE-Gruppe wird. In der Gemeinde hat es bis zum zweiten Weltkrieg einen KIE gegeben. Die KIE-Mitglieder haben in alten Tagen neben der schönen alten Kirche von 1784 einen kleinen Gruppenraum errichtet, der heute von allen Gruppen der Gemeinde genutzt wird. Mit Hilfe von Y’s Men’s International soll nun an dieses kleine Gebäude angebaut werden, so dass es mehr Platz und auch sanitäre Anlagen gibt.

In Szombathely angekommen, werde ich schon bald mit dem großen Sohn der Stadt bekannt gemacht. Es ist St. Martin von Tours. Er wurde um 316 in Szombathely geboren und ihm zum Gedächtnis gibt es bis heute auch bei uns die St. Martins-Umzüge. Klar, dass auf dem großen Dreiecksplatz in der Altstadt ein großes Denkmal steht, dass an ihn erinnert.

In Szombathely hat sich in der lutherischen Gemeinde schon seit einiger Zeit ein Y’s Men’s Club und ein KIE gebildet. Mit Hilfe von Y’s Men’s International (Dänemark) konnte ein wunderschönes Kellergewölbe unter dem Gemeindehaus als offener Jugendtreff ausgebaut werden, der „KIE Pince, Szombathely“ (KIE-Keller). Im Rahmen der Vorbereitungen für diese offene Arbeit waren Mitarbeitende mit ihrer Pfarrerin im CVJM-Westbund und haben sich über dieses Arbeitsfeld sachkundig gemacht. Die Räume (Bar, Kicker, Gewölbehalle mit Bühne) werden aber auch intensiv von der Gemeinde und von der lutherischen Schule mit genutzt. Diese wurde erst vor einigen Jahren vom Staat übernommen und mit Mitteln des Johanniter-Ordens in der Schweiz um einen Anbau erweitert. An der Schule gibt es eine Johanniter-Jungendgruppe, deren Aktivitäten im Erlernen der Ersten Hilfe liegt. Die Grenzen zwischen Y’s Men’s Club, KIE, Johanniter und Gemeinde sind fließend.

Seit gut einem halben Jahr nutzt der KIE (CVJM) zusammen mit dem EC in der Engelstraße, der Angyla Utca, einen Keller in einem der alten Stadthäuser, nicht weit vom Zentrum. Im September wurde er ausgebaut und renoviert, und er ist ein kleines Schmuckstück geworden. In diesen Halbkellergeschossen, diesen Basements, sind in Budapest viele Restaurants aber auch kleine Geschäfte untergebracht. Man muss sich ganz schön bücken, um sich beim Hinabsteigen nicht irgendwo den Kopf zu stoßen. Der Keller hat zwar nicht ein so romantisches Backsteingewölbe wie der in Szombathely, doch hat er durchaus Atmosphäre. Hier sollten sich junge Erwachsene und Jugendliche durchaus wohl fühlen. Jedoch ist man (EC und KIE) ganz schön am Experimentieren, wie man hier mitten in der Großstadt christlich-missionarische Jugendarbeit machen kann… Der KIE zahlt jeden Monat für die Nutzung des Keller an die 120 € Miete, was für die Verantwortlichen bei den niedrigen Gehältern ein ganz schön großer Batzen Geld ist. Doch es lohnt sich, denn hier gibt es ein überaus vielfältiges Programm:

  • Obwohl die zwei Tappancs-Gruppen (Bündische Jugendarbeit) sich regulär in einer Schule treffen, nutzen sie den Keller auch ab und zu.
  • Es gibt eine Gruppe für 16 + und eine regelmäßige Bibelstunde für junge Erwachsene deren Zahl in den neuen Räumen gewachsen ist.
  • Man trifft sich hier zu Gesellschaftsspiel-Abenden.
  • Eine neue Initiative ist ein English-Club.
  • Darüber hinaus gibt es fast jeden Monat Sonderveranstaltungen.

Bei schönstem Sonnenschein erkunden Kinder die Spielgeräte und den Sandkasten an Sóvár, an der „Salzburg“ des ungarischen CVJM (KIE), während die Erwachsenen drinnen der Bedeutung eines Bibeltextes auf die Spur kommen. „Salzburg“ haben die ungarischen CVJMer ihr Freizeitheim in Balatongyörök auf der Nordseite des Balaton, dem Plattensee, genannt. Von hier sollen Impulse ins Land gehen. Von hier soll die Arbeit des KIE in den Ortschaften gestärkt werden. Nur 200 m liegt es vom wunderschön gepflegten Strand und vom kleinen Bahnhof entfernt. Mit der Bahn lassen sich bequem die kleinen gemütlichen historischen Städtchen am Balaton erkunden. Mit einem Angebot von 40 Betten eignet es sich sehr gut für Freizeiten und Seminare. Aber auch ein privater Kurzurlaub oder ein Zwischenstop sind sicher in der Nebensaison möglich. 2001 wurde dieses ehemalige Sommerferienheim eines Arbeitnehmerverbandes dem KIE vom Staat übereignet. Damals war es in einem schlimmen Zustand. Unter anderem mit Hilfe aus Deutschland konnte es der KIE attraktiv renovieren und umbauen. Dank der eingebauten Heizungsanlage ist es jetzt das ganze Jahr über zu nutzen.

Weitere Infos gibt es im Internet unter www.sovar.hu

Krisztian, 23 Jahre alt, Student an der Uni in Pécs, Süd-Ungarn, immer ohne Geld aber immer lustig, manchmal verliebt aber noch nicht verlobt, leicht begeistert und ebenso leicht einstürzend - also das ist Krisztian oder auf deutsch: Christian. Seit etwa sechs Jahren gehört er zur TEN SING Gruppe in Kiskörös, zusammen mit seinem Bruder. Seine Mutter ist seit Jahren krank, der Vater hat schon viele verschiedene Sachen im Leben ausprobiert, um seine Familie zu unterhalten.

Das letzte TEN SING-Festival in Litomysl/Tschechien sollte am 25. Juli 1999 anfangen. Am 25. hat er entschieden, daß er auch dabei sein möchte. Zwei Tage ist er getrampt, aber hat er es geschafft, ohne Anmeldung, ohne Geld. Aber die Gruppe hatte irgendwie immer für ihn eine Konserve, ein Stück Brot oder ein Frühstücksticket gefunden und für seine Isomatte auch eine Ecke. Das Wichtigste: Er war dabei, und wir, die Gruppe, haben uns darüber sehr gefreut. Er ist der Mann, der immer viele gute Ideen hat, z. B. für das Drama in TEN SING. Er ist es, der immer vermisst wird, wenn er nicht dabei ist.

Einmal, etwa vor einige Monaten, steht er vor mir und sagt: "Gyuri bacsi", das heißt soviel wie: "Onkel Georg." "Ich möchte mich taufen lassen. Wie geht das? Was soll ich tun?" Natürlich haben wir darüber mehr gesprochen. Er hat erzählt, daß er es wichtig findet. Er will dieses Zeichen Gottes auch in seinem Leben haben. Ich habe ihn erklärt, wie es laufen soll. Er hat ein Büchlein bekommen und hat zum ersten Mal in seinem Leben Religionsunterricht angefangen. Die TEN SING-Gruppe wußte es. Sie haben immer nachgefragt und mit ihren Fragen mitgeholfen. In diesem Prozess des Lernens innerhalb der Gruppe ist unsere Gemeinschaft noch enger geworden. Am Ende hat Krisztian auch ein kleines Examen abgelegt (es ist in unserer lutherischen Kirche noch so: Erwachsenentaufe ist mit der Konfirmation und mit einer Prüfung zusammengebunden!).

Und dann kam die Frage: "Wie, und wann machen wir seine Taufe?" Er hat einen Samstag Morgen gewählt, in unserer Gemeinde ist an jedem Werktag morgens ein Kurzgottesdienst in unserem Gemeindehaus. "O.K.", habe ich gesagt: "Meinerseits ist alles in Ordnung. Und wen möchtest Du einladen? Paten brauchst du nicht mehr, weil du schon 23 bist. Du kannst schon selber entscheiden. Wen willst Du?" "Die ganze TS Gruppe habe ich eingeladen", sagte Krisztian.

Am Freitag Abend, ganz spät ruft er mich an: "Gyuri bacsi, ich möchte meine Taufe lieber eine Stunde früher, um sieben Uhr." "Warum denn?" frage ich. Ich bin schon seit zwanzig Jahren Pfarrer und niemand wollte je in meiner Praxis seine Taufe schon so früh! Da erzählt Krisztian: "Für einige Mitglieder der Gruppe ist acht Uhr schon zu spät, weil sie mit ihren Eltern im Weinberg arbeiten sollen." Kiskörös und die Umgebung ist eine Weingegend.

Und am 29. April, Sonnabend morgens, um sieben Uhr, waren wir alle da, in unserem Gemeindehaus. Vor dem kleinen Altar stand Krisztian, und um ihn herum die ganze Gruppe. Alle in dunkle Anzüge gekleidet, mit Krawatten, die Mädchen in ihren schönsten Kleidern. "Willst du, Krisztian, daß ich Dich im Namen Gottes, nach dem Missionsbefehl Jesus Christi, taufe?" "Ja, ich will", kam seine Antwort. Und er hat seinen Kopf gebeugt und ich habe ihn dreimal mit dem Taufwasser begossen: "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heilgen Geistes!"

Dann im Büro habe ich ihn in unser Taufbuch eingeschrieben. Eigentlich wollte ich die Rubrik "Paten" leer lassen, dann aber habe ich hineingeschrieben: "Paten von Krisztian: TEN SING-Gruppe in Kiskörös." Wenn mein Bischof das einmal liest, dann wird auch er hoffentlich Krisztians Geschichte verstehen.

György Luptak/Kiskörös

Dem einen oder anderen mag es durch einen Urlaub bekannt sein, Ungarn, im Herzen Europas gelegen, umgeben von sieben Ländern, der Slowakei, der Ukraine, Rumänien, Jugoslawien, Kroatien, Slowenien und Österreich. Sprachlich merkt man davon jedoch nichts, weil das Ungarische mit keiner der drum herum gesprochenen Sprachen verwandt ist. Vielleicht sprechen deshalb so viele Ungarn eine Fremdsprache, deutsch oder auch englisch. Nach dem 2. Weltkrieg wurde Ungarn ein Satellitenstaat der Sowjetunion. Damit hielt staatlich verordneter Atheismus Einzug, die Kirchen wurden in ihrer Arbeit stark behindert und freie Verbände, wie der KIE (CVJM) verboten. Damit war der KIE in Ungarn tot, doch Tot Gesagte leben länger! Bereits vor der Wende - es gab eine erste Mitarbeiterschulung - wuchs aus den alten Wurzeln ein neuer Trieb.

Junge Erwachsene fanden sich zu den Übriggebliebenen der Generation, die damals im KIE aktiv war. Junge Erwachsene sind es, die heute das Bild des ungarischen KIE prägen und die Verantwortung auf den unterschiedlichen Ebenen tragen. Heute gibt es in Ungarn an die zwanzig Ortsvereine und Gruppen. Da ist keine wie die andere. Es gibt kein traditionelles Vereinsmuster, mit geprägten Aktivitäten. Die jeweils örtlichen Herausforderungen bestimmen den Verein. In einem katholischen Internat sind es Mädchen, die miteinander ein Zimmer teilen, die eine KIE-Gruppe bilden, mit dem Ziel, Jesus den Mitschülern bekannt zu machen. Ein Jugendchor in einer lutherischen Gemeinde entschied sich dafür, KIE zu werden und damit zu der nationalen und weltweiten Gemeinschaft der CVJM zu gehören. Junge Christen in der Industriestadt Tatabánya leiten Jugendgruppen mit einem großen Angebot an Freizeiten. Ihre Spezialität ist das Felsklettern und Abseilen. In Budapest ist man auf Volkstanz spezialisiert und in Békéscsaba auf künstlerisches und kreatives Gestalten. Ein anderer Verein hat die regelmäßige Veranstaltungsform von Kulturcafés, für sich als missionarische Möglichkeit entdeckt. Musikdarbietung, Kunstausstellung und missionarische Verkündigung bilden eine Einheit. Fremdsprachenunterricht ist an anderer Stelle Anknüpfungspunkt für Erwachsene, Kinder und Jugendliche, um in dieser atheistisch geprägten Umwelt mit Menschen in Kontakt zu kommen.

Eine große Palette an Begabungen und Fähigkeiten kommt so in der Breite des ungarischen KIE zum Tragen. In den Regionen des Landes pflegt man sehr den Zusammenhalt. Der stärkste Verein nimmt Verantwortung für die kleineren in der Umgebung wahr.

Diese ganze Arbeit geschieht häufig unter widrigen Rahmenbedingungen. Es gibt Ortsvereine, die sich in fünf Jahren vier mal neuen Raum für ihre Aktivitäten suchen mußten, mit allen Nachteilen für eine kontinuierliche Gruppenarbeit. Die intensive finanzielle Förderung in den Anfangsjahren nach der Wende ist zusammengebrochen. Damit gab es im ganzen Nationalverband für einige Jahre keinen Hauptamtlichen mehr. Selbst im Nationalverbandsbüro in Budapest schaute nur zweimal die Woche ein Student für ein paar Stunden ehrenamtlich nach dem Rechten. Mit Hilfe der internationalen Partner des KIE konnte inzwischen ein Nationalsekretär angestellt werden, der die Arbeit auf Nationalverbandsebene koordiniert.

Früher gehörten dem KIE in Budapest und im Lande mehrere Häuser. Sie wurden enteignet oder vorher einer Kirche überschrieben. Diese scheinen z.Zt. aber unwiederbringlich verloren zu sein. Bei einem Durchschnittsverdienst von vielleicht € 200,-- im Monat, ist zudem das wirtschaftliche Umfeld für die Arbeit des KIE nicht gerade einfach...

Trotzdem sind die ehrenamtlich Mitarbeitenden unermüdlich aktiv und mit Engagement und Liebe zu Jesus bei der Arbeit. "Ein eigenes Haus ist nicht unbedingt die Lösung aller Probleme, da brauchen wir viel eher einen eigenen Minibus, als Transportmittel für die ganze Region und eine attraktive und flexible Jugendarbeit." So ein Mitarbeiter, der auf diese ganz pragmatische Weise seine Prioritäten setzt.

Die Mitarbeitenden und Verantwortlichen dieses wachsenden und sehr lebendigen Nationalverbandes haben ganz deutlich eine internationale Vision von CVJM-Arbeit und sind sehr an Austausch und einem inhaltlichen Miteinander interessiert.

Gut 50 Jugendliche und vor allem junge Erwachsene, die in den letzten zwanzig Jahren durch den ungarischen KIE (CVJM) in ihrem Glauben und Leben geprägt worden sind, haben das KIE-Freizeitheim Sóvár am östlichen Ende des Balaton (Plattensee) an diesem Jubiäumswochenende im März „in Besitz“ genommen. Einige sind mit ihren Ehepartnern hier und haben ihre Kinder mitgebracht. Ja, so wirkt der KIE inzwischen auch in der nächsten Generation in junge Familien hinein. Zum Höhepunkt der Feier von „20 Jahre KIE nach der Wende“, werden bis zu 200 Leute erwartet.

Das Jubiläum wird mit einem Gottesdienst und einer Feierstunde im Kulturhaus von Balatongyörök gefeiert. Bemerkenswert ist, dass die beiden lutherischen Bischöfe, die Grußworte sagen, vom CVJM geprägt sind. Der eine war ein halbes Jahr an der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal und traf auf den CVJM in einer Wuppertaler Gemeinde, und die Eltern des anderen lernten sich vor dem zweiten Weltkrieg im ungarischen KIE kennen.

Wie sehr der KIE junge Leute in den letzten zwanzig Jahren geprägt hat, wird durch Statements von Mitarbeitenden deutlich: „Ohne den KIE wäre ich nicht Christ geworden!“ „Im KIE habe ich Gaben entdecken und entwickeln können!“ „Im KIE habe ich Vorbilder zur Orientierung gefunden!“

Und so drückt es sich auch in den Grußworten aus: „Der KIE ist nicht zu klein, um mit dafür zu sorgen, dass der Sturm des Evangeliums über Ungarn weht, genauso wie fünf Brote und zwei Fische nicht zu wenig waren, um die Fünftausend satt zu machen.“

So wie nach dieser Speisung noch viele Körbe mit Resten gefüllt zurückkamen, so ist das ungarische Festmahl mit Lamm- und Rindergulasch aus dem Kessel auch mehr als reichlich für die vielen KIE-Mitglieder und Gäste im KIE-Freizeitzentrum Sóvár in Balatongyörök.

Wie vielfältig die Arbeit des KIE in Ungarn ist, wird am Nachmittag deutlich. Die Ten Sing Gruppe aus Békéscaba nimmt die Gäste mit hinein in ein Tanz und Chorprogramm und Tappancs, die bündische Jungschararbeit, hat eine Jurte aufgebaut und stellt die Camparbeit vor.