Impressionen von der 16. Weltrats-Tagung
in Durban, Südafrika 2006
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Geschichten mit dem CVJM
Das Zulu-Wort Ubuntu ist das Thema der Weltratstagung des CVJM in Durban, Südafrika. Es steht für: "Ich bin, weil wir sind!" - oder: "Eine Person ist eine Person durch andere Personen!" Daß die CVJM-Welt jetzt hier ist, CVJMer aus achtzig Nationen sich in Durban versammeln, wird zur Wertschätzung eines Nationalverbandes, eines Landes, eines ganzen Kontinents.
Einander in Kleingruppen von den eigenen eindrücklichen Erlebnissen mit dem CVJM zu erzählen, davon, welch weichenstellende Bedeutung die Arbeit im CVJM im Leben gehabt haben mag, wird für mich zu einem Höhepunkt der gemeinschaftlichen Arbeit der gut achthundert Delegierten am ersten langen Tagungstag. Dieses einander zu erzählen, Zuhörer zu haben und das dann auch noch protokolliert zu sehen, hat seine besondere Dynamik und vermittelt Wertschätzung.
Und es ist der Bericht von Paul, einem CVJM-Sekretär aus England, der mich zutiefst beeindruckt. Er beginnt seine Geschichte damit, dass er von einer Situation erzählen wolle, in der er die Hilfe des CVJM ganz wichtig in seinem Leben erfahren habe.
Eine Mittelstandskarriere habe er gehabt. Als Grundstücksmakler habe er sich sein Geld verdient, bevor er in einem CVJM in England eine neue berufliche Herausforderung gefunden habe. Verheiratet sei er gewesen, zwei kleine Kinder im Alter von ein und zwei Jahren habe er mit seiner Frau gehabt, als diese im Alter von fünfundzwanzig Jahren urplötzlich verstorben sei. In seiner Not war es der Generalsekretär seines Vereins, den er morgens um vier Uhr angerufen habe. Dem, so wusste er, könne er sich selbst zu dieser Uhrzeit zumuten. Am nächsten Tag haben dann Kollegen und Bewohner des CVJM ihre Arbeit stehen und liegen gelassen und hätten für ihn und seine Kinder gebetet. Viel Unterstützung habe er in den nächsten Wochen erfahren, zwar auch von der Familie und seiner Gemeinde, doch es war das tägliche Erleben an seiner Arbeitsstelle, dem CVJM, das ihm eine nachhaltige Hilfe war. Nach diesem dramatischen Erleben habe sich seine Sicht vom CVJM noch einmal sehr verändert.
Von den verschiedenen Kontinenten hören wir dann miteinander im Plenum ausgewählte persönliche bewegende Geschichten von ehren- und hauptamtlich Mitarbeitenden mit dem CVJM und noch wichtiger: mit Jesus.
Die Tagungszusammenkünfte sind in einem großen Versammlungszelt. In der Mitte des Zeltes ist ein Podium aufgebaut. Auf ihm steht ein großes übermannshohes Holzkreuz. Auf blauem Hintergrund sind auf ihm auf beiden Seiten konkrete Szenen der "Diakonia", der helfenden und handelnden Liebe aufgemalt. Das Kreuz, der Christus, stehen hier ganz offensichtlich auch inhaltlich im Zentrum dieser Tagung des weltweiten CVJM. Jeden Morgen wird er in einem besonderen Gottesdienst gefeiert.
Der weltweite CVJM wird hier in Durban konkret, bekommt Gesichter und Gestalt. Die eine oder den anderen habe ich schon bei früheren internationalen Tagungen getroffen. Mit ihnen kann ich an die Begegnungen anknüpfen, nachfragen nach den aktuellen Entwicklungen und Erfahrungen. Neue Begegnungen kommen hinzu, wie die mit dem Sekretär aus Australien, dessen Gepäck irgendwie mit irgendeiner Airline noch den Globus umkreist. Immer wieder ist es spannend von der besonderen Form der CVJM-Arbeit im deutschen CVJM zu berichten, von den vielen Vereinen, die missionarische Jugendarbeit im großen Rahmen von Kirchengemeinden machen. Und ich bin erstaunt über das Interesse an diesem für andere Länder recht exotischen Modell unserer Arbeit. Denn in anderen Ländern sind die Angebote von CVJM vor Ort hochprofessionell und mit großen Gebäuden, Haushaltsplänen und Hauptamtlichenstellen verbunden. Und auch diese Konzepte als Antwort auf die unterschiedlichen Herausforderungen der jeweiligen Gesellschaft sind spannend. Die Arbeit des CVJM ist überaus vielfältig und damit ist es gar nicht so einfach, diese nach außen hin für die Allgemeinheit verständlich und nachvollziehbar dazustellen.
Eckard M. Geisler