Impressionen von der 16. Weltrats-Tagung in Durban, Südafrika 2006
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Ich bin, weil wir sind

"16. Weltratstagung des CVJM -Verantwortliche des weltweiten CVJM treffen sich in Südafrika", das ist der Aufmacher einer ganzen Seite in der Nationalzeitung "The Star", am Montag, den 10. Juli, dem Start dieser Konferenz in Durban. In verschiedenen Artikeln wird die weltweite Arbeit und auch die des CVJM in Südafrika vorgestellt. Über diese Tagung kann der CVJM im Land sein Profil schärfen und stolz vermelden: Es ist nun das zweite Mal in der Geschichte des CVJM, dass eine solche Tagung auf dem afrikanischen Kontinent stattfindet. "Wir sind wer!" Das bisher einzige Mal traf sich die CVJM-Welt 1973 in Kampala, in Uganda. Es ist den Delegierten der afrikanischen CVJM abzuspüren, dass diesmal wir zu Gast auf ihrem Kontinent sind, der "Mama Afrika". Das Zulu-Wort Ubuntu ist das Thema des Treffens. Es steht für: "Ich bin, weil wir sind!" - oder: "Eine Person ist eine Person durch andere Personen!" Daß die CVJM-Welt jetzt hier ist, CVJMer aus achtzig Nationen sich in Durban versammeln, wird zur Wertschätzung eines Nationalverbandes, eines Landes, eines ganzen Kontinents.

Und doch ist es hier an der Südostküste des Kontinents alles so ganz anders, ist es ganz und gar nicht so "afrikanisch", wie ich es aus meinen Begegnungen mit Westafrika kenne. Es fängt schon beim Klima an. Es ist nicht der feuchttropische "Schwamm", der mir beim Aussteigen aus dem Flieger übers Gesicht wischt. Hier haben wir eine ähnlich trockene Luft, wie in Deutschland. Und der Weg vom Flughafen zu den Tagungshotels erinnert eher an die Vorstädte englischer Metropolen. Und doch - ich bin in Afrika, aber einem Teil, der seine ganz eigene Geschichte hat, mit seinen eigenen Völkern und den deutlichen Spuren der Holländer, Deutschen, Engländer und Inder im Land. Zu dieser Geschichte gehört auch die Apartheid, die soziale Trennung von Schwarzen, Farbigen und Weißen.

Synthia ist eine pensionierte Lehrerin. Sie ist eine Farbige, also ein Mischling, und sie hat die Jahrzehnte der Apartheid erlebt. Ihr Vater sei Leiter einer anglikanischen Schule in einem kleinen Ort gewesen. Als die Apartheidregierung beschloss, dass Kinder der jeweiligen Bevölkerungsgruppen in jeweils eigenen Schulen unterrichtet werden sollten, habe er sich verweigert, die schwarzen Kinder vor die Tür zu setzen. Erst solle die Regierung für entsprechend neue Schulgebäude sorgen, in denen diese unterrichtet werden könnten... Und sie sei stolz darauf, dass sie als Lehrerin selber über die Jahre Kinder habe prägen können, von denen einige heute verantwortliche Positionen im Land in Politik und Wirtschaft besetzten. Man habe damals das ganze Geld gespart, um ab und an einmal Urlaub in Europa zu machen und dem ungerechten System entfliehen zu können, denn Urlaub im eigenen Land, Hotels zu buchen als Farbige, das sei kaum zu realisieren gewesen.

Und es war das Jahr 1990, dem Jahr, in dem in Europa der eiserne Vorhang fiel und dramatische Veränderungen friedlich abliefen, als in Südafrika das Ende der Apartheid eingeläutet wurde. Am ersten Abend der Weltratstagung feiern die südafrikanischen CVJMer mit ihren Gästen mit einem Musical diese dramatischen Veränderungen im Land, die dank ihrer charismatischen Führungspersönlichkeiten wie Nelson Mandela und Desmond Tutu friedvoll waren und das Land, ihre "Regenbogen-Nation", friedvoll in eine Demokratie führten.

Einige Tage vor der Weltratstagung trafen sich bereits zweihundert Jugenddelegierte aus dem Welt-CVJM in Durban zum Youth Council, dass sie auf die Themen der Weltratstagung vorbereitete. Diese jungen Erwachsenen haben nun den anderen Teilnehmenden einiges voraus. Stolz und erfüllt berichten sie von den intensiven Diskussionsrunden, in denen sie sich auf die Themen des Weltrates vorbereitet haben. Gerard aus Holland erzählt, dass er in diesen Tagen erstmalig intensiv mit der Thematik HIV/AIDS konfrontiert worden sei und habe wahrnehmen müssen, welch verheerende Auswirkungen diese Seuche in vielen Ländern habe, in denen auch der CVJM arbeite.

Diese Verbände müssen befähigt werden, die notwendige Aufklärungsarbeit vor Ort zu leisten, denn mit einer Ansteckung bricht unsägliches Leid über den Einzelnen, dessen Familie und eine ganze Nation herein.


Eckard M. Geisler