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Im Gespräch mit Hansjörg Kopp

Hansjörg Kopp ist Generalsekretär des CVJM-Gesamtverband in Deutschland e. V.

Bei der Bundesmitarbeitertagung 2019 wird er unter anderem den Sendungsgottesdienst

am letzten Abend gestalten. Wir hatten die Gelegenheit, mit ihm über den CVJM, die BMT2019 und sein ganz persönliches Verständnis von Fernweh zu sprechen. 

Hansjörg Kopp

Lieber Hansjörg, was verbindest du persönlich mit dem CVJM?
 
In den vielen Jahren, die ich in unterschiedlichen Stellen im CVJM mitarbeite, wird mir immer wieder deutlich, dass der CVJM weltweit eine unfassbar faszinierende Bewegung ist. Da sind in 120 Nationen weltweit Menschen, die sagen: „Wir wollen gemeinsam junge Menschen fördern.“ Ganz konkret geht es darum, zu schauen, was sie für ihr Leben benötigen und sie zu stärken, indem wir sie mit Gott und Jesus in Verbindung bringen. Das finde ich bis heute faszinierend. Ich persönlich würde Jesus nicht kennen, wenn ich nicht mit elf Jahren zum CVJM gekommen wäre. Wenn es nicht die Leute gegeben hätte, die mich eingeladen – und dann auch ausgehalten – haben, und die gesagt haben: „Du kannst bei uns bleiben und wir geben dir Verantwortung.“
 
Jetzt bist du als Generalsekretär des deutschen CVJM in der Verantwortung. Was bewegt dich zurzeit, wenn du an den CVJM denkst?
 
Neben vielem anderen bewegt mich die Frage, wie der CVJM zukunftsfähig wird. Ich glaube, wir stehen inmitten großer Veränderungsprozesse, sowohl gesellschaftlich, als auch als Kirche und CVJM. Wir müssen uns fragen: „Wie sieht CVJM aus, wenn wir im Jahr 2044 unseren 200. Geburtstag feiern?“ Ich glaube, dass der CVJM zurzeit viel von Tradition lebt.  Das ist gut, darf uns aber den Blick nach vorn nicht verstellen. In diesem Jahr, in dem wir das 175. Jubiläum des weltweiten CVJM feiern, haben wir uns viel mit der Geschichte des CVJM beschäftigt. Wir sollten aber nicht nostalgisch werden, sondern uns neu fragen, was wir heute von der Leidenschaft der Menschen von damals lernen können. Und da entdecke ich bei George Williams oder John Motte – Menschen, die CVJM weltweit geprägt haben – so unglaublich viel, was wir im 21. Jahrhundert neu gestalten und für die Zukunft mit Leben füllen können.
 
Diesen Blick in die Zukunft des CVJM wollen wir auch bei der BMT wagen. Deshalb ist das Motto dieser Tage ja auch „Fernweh“. Was löst Fernweh in dir aus?
 
Ich war im Februar in Australien, fünf Tage, auf einer Sitzung. Da kommt man schon ins Grübeln: Was ist eigentlich „fern“? Das ist eine gute Frage. Das „-weh“ finde ich schwierig an dem Wort. Es geht ja nicht darum, dass mir etwas weh tut, sondern es geht um Sehnsucht. Meine räumliche Sehnsucht ist, dass ich irgendwann nochmal in Richtung Nordamerika aufbreche. Die geistliche Sehnsucht ist, dass wir es in einer Gesellschaft, die sich selber den Himmel und die Ewigkeit genommen hat, vermitteln können, dass unser Leben mehr ist als das, was wir hier haben. Und da habe ich schon manchmal ein gewisses „Weh“, denn ich glaube, dass wir in der Art, wie wir Jesus heute verkündigen, diesen Aspekt manchmal zu sehr ausblenden.
 
Das ist eine Frage, die die vielen engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Borkum beleuchten wollen.
 
Ja, und das fasziniert mich! Diese Menschen kommen alle mit einer Erwartung: auf tolle Gemeinschaft und auf Inspiration. Sie haben Fernweh im Hinblick darauf, wie sich CVJM heute und in der Zukunft gestalten lässt. Das finde ich großartig! 

Es ist eine besondere Erfahrung, eine solche Gemeinschaft an einem besonderen Ort, fern ab vom Alltag zu erleben. Darauf freue ich mich! Und ich wünsche mir, dass wir miteinander inspiriert von der Insel in unseren Alltag zurückkehren. Ich hoffe, dass es uns gelingt, uns in diesen Tagen generationsübergreifend wahrzunehmen und einander Anteil zu geben, denn so ist CVJM!

 

Bei der BMT gibt es drei Thementage: Tag eins heißt „Mit weitem Horizont“. Was verbindest du mit dem weiten Horizont? Eher die Berge oder lieber das Meer?
 
Ich kann beides gut damit verbinden. In den Bergen staune ich aber manchmal mehr. Die Faszination der Schöpfung ist für mich dort noch greifbarer. Vor allem dann, wenn die Fernsicht toll ist. Wobei gerade das ja auch das Großartige am Meer ist: Da gibt es nichts, was irritiert oder ablenkt, wenn man geradeaus guckt. Da ist der Horizont dann endlos und Ewigkeit.
 
„Mit der Kraft des Heiligen Geistes“ ist der zweite Tag.
 
Der Heilige Geist beflügelt uns immer wieder neu dabei, als Christen zu leben. Ihm dürfen wir zutrauen, dass er die Kraft ist, die wir brauchen, um CVJM zu gestalten. Durch ihn bekommen wir neue Energie unter unsere Flügel und können wieder losfliegen. Das Großartige ist, dass wir uns diese Energie nicht selbst suchen müssen, sondern dass wir sagen dürfen: „Jesus hier bin ich. Gib du mir durch deinen Geist das, was ich jetzt brauche.“
 
Und dann machen wir uns am dritten Tag bereit: „Mit Kurs zu den Menschen“.
 
Ja, denn es wäre schlecht, wenn wir auf Borkum am Strand stehen würden und in Richtung Horizont loslaufen. Einfach ins Watt zu gehen bringt mir persönlich vielleicht etwas, aber für die Menschen bringt das gar nichts. Am Ende müssen wir uns wieder aufmachen, in Richtung Bahnhof, Fährhafen, Festland, in Richtung zu Hause, hin zu den Menschen.  
 
Wenn du uns für diese Tage eine Sache mitgeben könntest, was wäre das?
 
Der Schlüssel für mich ist, dass wir als CVJM – und auch jeder für sich – nahe bei Jesus bleiben. Und, dass wir nahe bei den Menschen sind. Wir müssen beides zusammen denken. Wie wir das dann gestalten, das ist für mich erst die zweite Frage. Da gibt es sicherlich unterschiedliche Wege.
 
Und welche drei Dinge nimmst du auf jeden Fall mit?
 
Meine Bibel, die Laufschuhe und eine ganze Menge Erwartungen. Erwartungen nicht im Sinne von „Ihr müsst mir was bieten“, sondern als Haltung: Ich möchte die Erwartung haben, dass durch Gott und die Gemeinschaft dort etwas passiert, dass es zu einem Aufbruch kommt. Diese drei Dinge nehme ich mit. Sie sind handlich und passen gut in mein Reisgepäck. Und vielleicht noch eine Tafel Schokolade.
 
Warst du eigentlich schon mal bei einer BMT dabei?
 
Nein. So lange bin ich ja noch gar nicht beim Gesamtverband beschäftigt. Davor war ich hauptsächlich in Süddeutschland unterwegs. Als Württemberger habe ich die Aktivitäten des Westbund bisher eher am Rande mitbekommen. Aber ich freue mich darauf – und ich halte den Termin eisern frei, damit nichts dazwischenkommt!
 
Lieber Hansjörg, vielen Dank für das Gespräch. Ich freue mich darauf, dich spätestens auf Borkum wieder zu treffen und dort ein Stückchen von deiner Schokolade abzubekommen.

 

Dieses Gespräch führten Hansjörg Kopp und 
Carsten Tappe bereits Ende März 2019.